Unterwegs mit der Gornergrat Bahn

Fotos & Text: Jörgen Camrath

Auf der bekannten Toblerone-Verpackung ist das Matterhorn längst verschwunden, auf vielen Bucket Lists findet es sich auch heute noch. Wie die Anreise mit der Bahn gelingt, wo man gut übernachten kann und warum sich ein Besuch besonders im Winter lohnt. 

Es ist ein spektakulärer Anblick, der sich den Fahrgästen bietet. Und dabei ist die letzte Etappe der Reise noch gar nicht erreicht. Aber bereits mit dem Umstieg in die Matterhorn-Gotthart-Bahn in Visp kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sei es die mehr als 150 Meter tiefe Schlucht mit ihren beeindruckenden Brücken, die der Zug bei Stalden passiert. Oder seien es die schneebedeckten Wipfel der Walliser Alpen, die in Fahrtrichtung nach und nach in Sicht kommen. Wer hier nicht aus dem Fenster schaut, der verpasst eine Menge.

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Nach rund einer Stunde Fahrtzeit erreicht der Zug den Bahnhof von Zermatt. Das besonders bei Wintersportler:innen und Bergsteiger:innen beliebte Ferienziel liegt auf einer Höhe von etwa 1600 Metern über dem Meeresspiegel und ist nach Visp der bevölkerungsmäßig zweitgrößte Ort im Schweizer Kanton Wallis. Was sofort positiv auffällt: Autos sind hier verboten.

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Direkt neben dem Bahnhof der Matterhorn-Gotthard-Bahn beginnt die Zahnradstrecke der Gornergrat Bahn. Sie wurde am 20. August 1898 offiziell eröffnet und ist nach der Jungfraubahn die zweithöchste Bergbahn in Europa. Tagsüber bringt sie Fahrgäste im 25-Minuten-Takt hinauf auf den Gornergrat – bei einer Fahrzeit von etwa 30 Minuten und Unterwegshalten unter anderem in Findelbach, Riffelberg und Rotenboden.

Eine einfache Fahrt mit der Gornergrat Bahn kostet regulär rund 50 Euro für die komplette Strecke. Wer vorher aussteigt, zahlt weniger. Günstiger wird es, wenn man sich im Vorfeld überlegt, was man in und um Zermatt genau machen möchte. Denn bei speziellen Kombi-Tickets fürs Skifahren oder Wandern ist der Trip mit der Gornergrat Bahn bereits im Angebot enthalten.

Wer morgens mit Blick auf das Matterhorn aufwachen und die Berge einmal ganz für sich haben möchte, der kann zum Beispiel im traditionsreichen Riffelhaus auf 2.548 Metern über Meereshöhe absteigen. Im August 1878 übernachtete hier der US-amerikanische Schriftsteller Mark Twain. Heute begrüßen 25 Zimmer, ein Spa-Bereich und eine hervorragende Küche mit Halbpension die Übernachtungsgäste. Tipp: Unbedingt ein Zimmer mit Matterhornblick buchen.

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Das Riffelhaus liegt direkt an der Haltestelle Riffelberg und eignet sich darum hervorragend als Startpunkt für unterschiedlichste Aktivitäten. Hier startet ein Wanderweg zum Rotenboden, hier startet ein Sessellift für Skifahrer:innen zur Gifthittli Bergstation, hier kann man sich Schlitten und Schneeschuhe ausleihen (Achtung: Skiausrüstung gibt es nur in Zermatt) – und von hier kann man mit dem Riffelberg-Express nach Furi abfahren und von dort direkt weiter bis zum Matterhorn Glacier Paradise.

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Das Matterhorn Glacier Paradise ist in erster Linie eine Marketing-Erfindung. Dahinter verbirgt sich die höchstgelegene Bergstation Europas am Kleinen Matterhorn auf 3.883 Metern über Meereshöhe umgeben von 38 Viertausendern und 14 Gletschern. Wer es mit der Seilbahn bis hierhin schafft, wird mit einem Ausblick auf unzählige schneebedeckte Gipfel belohnt, der wirklich atemberaubend ist (was auch für die Luft hier oben gilt).

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Wieder im Tal lohnt sich ein Spaziergang durch das verschneite Zermatt. An der Pfarrkirche St. Mauritius, am Matterhorn Museum und an verschiedenen Geschäften für Sportausrüstung entlang geht es zurück ins Zentrum. Wer auf der Suche nach gutem Kaffee, Sauerteigbrot oder einer Zimtschnecke ist, schaut in der Backzeit vorbei, bevor es mit der Gornergrat Bahn zurück zum Riffelhaus geht. Der Berg ruft.